Thomas van Elsenzurück

Eine vielfältige Kulturlandschaft entsteht heute nicht mehr „nebenbei“, sondern nur noch, wenn sie gewollt und bewusst an ihrer Entwicklung gearbeitet wird. Lässt sich Landschaft heute so entwickeln, dass sie mehr wird als ein Spiegelbild der Nutzungsinteressen? Reicht es aus, Landschaftsbestandteile unter „Naturschutz“ zu stellen – wen schützt man dann eigentlich vor wem? Wie lassen sich „Vielfalt, Eigenart und Schönheit“ von Natur und Landschaft – wie im Bundesnaturschutzgesetz gefordert – schützen und entwickeln? Wie passt das Bild unserer Vorfahren als „Keulen schwingende Halbaffen“, die im darwinistischen Kampf ums Dasein die Natur ausbeuteten, zusammen mit der Entstehung der historischen Kulturlandschaften? Kann man eine Kulturlandschaft überhaupt „erhalten“? Was hat „Land-schaft“ mit Land-schaffen zu tun? In wie fern sind Landschaften Spiegelbilder der Intentionen der Menschen, die in ihr tätig sind? Bedeutet ein multifunktional verstandener Ökologischer Landbau außer „Pflanzenproduktion“ und „Tierproduktion“ auch „Landschaftsproduktion“? Lässt sich Landbau als Entwicklungsaufgabe an der Natur verstehen? „Landschaft entwickeln“ setzt heute voraus, einen neuen Zugang zur Natur über übende Sinneswahrnehmung und über Reflexion des eigenen Denkens und Handelns zu gewinnen.
Diese Fragen bilden den Hintergrund meines Interesses an der Landschaftsarbeit im Kontext von PETRARCA.

Kurze biographische Skizze

Nach Zivildienst im Umweltschutz, Studium der Biologie (in Braunschweig und Göttingen) Dissertation über pflanzensoziologische Untersuchungen zur Dynamik der Pflanzengesellschaften der Äcker bei unterschiedlicher Bewirtschaftungsintensität (VAN ELSEN 1994) an der Universität Kassel.

Vegetationskundliche Untersuchungen auf industriegeschädigten Flächen und Binnensalzstellen (VAN ELSEN 1997).

Im Rahmen eines Forschungsstipendiums Recherche zu „ökologischen Gesichtspunkten“ im Werk Rudolf Steiners, das dem Ansatz der auf der biologisch-dynamisch Wirtschaftsweise zugrunde liegt. Die ökologische Frage spiegelt aus Sicht der Anthroposophie die historische Entwicklung des Mensch-Natur-Verhältnisses, aus der sich heute neue Entwicklungsaufgaben für den Umgang des Menschen mit „Natur“ ergeben (VAN ELSEN 1999).

Lehrbeauftragter u.a. für Pflanzensoziologie, Landschaftsökologie und Biodiversität am Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel (Witzenhausen), Betreuung zahlreicher Diplomarbeiten und Erstellung eines Naturschutzhandbuches für die Ökologische Landwirtschaft (VAN ELSEN & DANIEL 2000).

Mehrere Forschungsprojekte zum Thema „Kulturlandschaft und Ökologischer Landbau“ am Fachgebiet Ökologischer Land- und Pflanzenbau der Universität Kassel (Witzenhausen), u.a. zu Naturschutz-Praxisansätzen auf Biohöfen (VAN ELSEN et al. 2003), zur naturverträglichen Bodennutzung als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, zum Interesse von Biobauern an Naturschutz und Landschaftsentwicklung (bundesweite Umfrage) und zur Integration von Naturschutzzielen in den Ökologischen Landbau (Hessische Staatsdomäne Frankenhausen).

Im Rahmen von PETRARCA Durchführung von Landschaftsseminaren auf Biohöfen, u.a. auf Hof Medewege (Schwerin), Adolphshof (Hämelerwald), Schoderhof (Allgäu), Gut Hohenberg (Pfälzerwald) sowie auf zahlreichen Höfen im weiteren Umfeld von Witzenhausen mit Studierenden im Rahmen des „Studienschwerpunktes Ökologischer Landbau“. Buchprojekt in Vorbereitung.

Seit August 2004 Projektleiter am FiBL Deutschland e.V.– Standort Witzenhausen. Aktuell Projekte zur Einrichtung von einzelbetrieblicher Naturschutzberatung für den Ökologischen Landbau (VAN ELSEN et al. 2003 und 2004) und Untersuchungen zum Potenzial „Sozialer Landwirtschaft“ für Natur- und Landschaftsentwicklung.

Publikationen:

  • VAN ELSEN, T. (1994): Die Fluktuation von Ackerwildkraut-Gesellschaften und ihre Beeinflussung durch Fruchtfolge und Bodenbearbeitungs-Zeitpunkt. – Ökologie und Umweltsicherung 9 (Dissertation), Witzenhausen, 414 S.).

  • VAN ELSEN, T. (1997): Binnensalzstellen an Rückstandshalden der Kaliindustrie. - In: Binnensalzstellen in Thüringen - Situationen, Gefährdung und Schutz. – Naturschutz-Report 12: 63-117, Jena.

  • VAN ELSEN, T. (1999): Die Natur ernährt den Menschen – ernährt der Mensch auch die Natur? Zum Ernährungsbegriff und seiner Erweiterung durch das Werk Rudolf Steiners. – In: ARNCKEN, T., RAPP, D., ZEHNTER, H.-C. (Hrsg.): Ein Rose für Jochen Bockemühl. Sondernummer der Elemente der Naturwissenschaft: 102-118, Dürnau.

  • VAN ELSEN, T. (2000): Species diversity as a task for organic agriculture in Europe. – Agriculture, Ecosystems & Environment 77 (1-2). Special Issue: „Criteria for sustainable Landscape Development“: 101-109. Elsevier, Amsterdam/ Lausanne/ New York/ Oxford/ Shannon/ Tokyo.

  • VAN ELSEN, T., DANIEL, G. (2000): Naturschutz praktisch. Ein Handbuch für den ökologischen Landbau. – (Praxis des Ökolandbaus) Bioland Verlag, Mainz, 108 S.

  • VAN ELSEN, T., KEUFER, E., GOßE, A., DIENER, J. (2003): Naturschutzberatung für den Ökologischen Landbau – eine Projektstudie zur Integration von Naturschutzzielen auf Biohöfen. - Abschlussbericht zum Projekt 02OE459, gefördert vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL) im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau. Witzenhausen, 263 S., Download unter: http://orgprints.org/00002577/

  • VAN ELSEN, T., RÖHRIG, P., KULESSA, V., SCHRECK, C., HEß, J. (2003): Praxisansätze und Naturschutzpotenziale auf Höfen des Ökologischen Landbaus zur Entwicklung von Kulturlandschaft. - Angewandte Landschaftsökologie 60, Bonn, 359 S.

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