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Die Ästhetik der Landschaft  zurück
Die Europäische Akademie für
Landschaftskultur fasst Landschafts-Ästhetik nicht nur als ein
"schönes Beiwerk" zur ökologischen Forschung und Praxis auf.
Ästhetik wird vielmehr als der eigentliche Vorgang des Wahrnehmens
aufgefasst.
Die ursprüngliche, griechische Bedeutung von "aisthesis" meint
"für die Sinne fassbar". Ästhetik betrifft also immer
unmittelbar die sinnliche Wahrnehmung. Für eine ästhetische
Weltwahrnehmung ist die Schulung der Sinne ein grundlegendes Anliegen:
je mehr die Sinne geschult sind, desto mehr Dimensionen der Landschaft
werden für sie fassbar. Zugleich aber geht es in der Ästhetik
immer auch darum, auf dasjenige aufmerksam zu werden, was für die
Sinne fassbar wird, was sich also ästhetisch vermittelt. Die
Erfahrung einer Landschaftsatmosphäre bzw. der Ganzheit einer
Landschaft ist hierfür ein grundlegendes Beispiel: Landschaft ist
eine sinnliche Erfahrung, die mehr umfasst, als die bloß
sinnlichen erfassbaren Einzeldaten. Es braucht also einen
ästhetischen Sinn, um Landschaft wahrnehmen zu können.
Jede sinnliche Erfahrung ist stets eine ganz individuelle Erfahrung,
denn jeder kann sich nur durch seine eigenen Sinne Landschaft
vergegenwärtigen. Auf die, durch die Sinne zu uns sprechende
Atmosphäre einer Landschaft kann jeder seine Aufmerksamkeit lenken
und einem Gegenüber das individuell Erfahrene mitteilen. Hier wird
Landschaft überindividuell. Ästhetik weckt die Sinne für
diese individuell-überindividuelle Realität der Landschaft.
Durch Ästhetik kann Landschaft als ein "Epiphänomen" des
menschlichen Bewusstseins begriffen werden(14) : Im ästhetischen
Blick auf die Landschaft kann dem Menschen bewusst werden, auf welche
Weise er Landschaft sinnlich realisiert.
Durch Ästhetik kann - gerade auch im Zusammenhang mit der
Rücksichtnahme auf die Integrität der Natur - die
Kulturaufgabe be- und ergriffen werden, im menschlichen Bewusstsein
Raum zu schaffen für die produktiven Kräfte der Natur, so
dass diese in der von ihm realisierten Landschaft zur Erscheinung
kommen können (15) . In diesem Sinne ist Landschaft die sinnlich
wahrnehmbare Natur der Welt.
Der Europäischen Akademie PETRARCA sind daher die Schulung der
Sinneswahrnehmung, als auch die geführte Schulung eines Sinnes
für Atmosphären ebenso, wie die Besinnung der eigenen jeweils
spezifischen Zuwendungsweise, die Art des persönlichen
Engagements, vordringliche Ziele. Hierdurch kann ein persönliches,
über die bloße Sinneserfahrung hinausgehendes
Verhältnis zur Landschaft entwickelt werden, welches grundlegend
ist für eine neue Landschaftskultur. PETRARCA sieht in einem so
bewusst gemachten ästhetischen Verhältnis zur Welt einen
neuzeitlich zu beschreitenden Weg für eine Belebung und Heilung
der Beziehung der Menschen zu ihren Landschaften und damit auch zu
einer Verlebendigung und Heilung der Landschaften selbst.
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